Die Heimat eigenwilliger Menschen
 
Der erste "Camper" am Weißen Berg
Der erste
Glutrot geht die Sonne auf. Der Morgennebel hebt sich langsam über den weiten Moor- und Heideflächen am Steinhuder Meer. In diesen Momenten kann der Betrachter nachvollziehen, warum die Region so viele empfindsame, ja auch eigenwillige Menschen hervorgebracht hat. Einer von Ihnen war Gustav Nagel, wenn man so will der erste Camper am Weißen Berg in Mardorf. "Grüs got! am steinhuder mer, am nördlichen strand, wo mein zelt jezt stet, heis schin die sonne, - war erkwikkend das waßerbad, koste die köstliche meres luft, ..." So schrieb Gustav Nagel Pfingsten 1907 an einen Freund am heimischen Arendsee. Nagels Zelt stand für zwei Jahre auf dem Weißen Berg in Mardorf. Er selbst bezeichnete sich als Naturmenschen, Religionsstifter, Wanderprediger und Tempelwächter von Gottes Gnaden. Seine heutigen Anhänger sagen, er sei seiner Zeit weit voraus gewesen, denn er arbeitete an einer Rechtschreibreform, lange bevor sich die heutigen Politiker des Themas bemächtigt hatten (Leseprobe siehe oben). Er ernährte sich überwiegend von frischem Gemüse, lange bevor viele unserer Zeitgenossen den Wert erkannten. Nagel predigte einfaches, natürliches, christliches Leben. Während seiner Mardorfer Zeit pilgerten Leute aus weitem Umkreis zu seinem Zeltlager um ihm zuzuhören.
 
Steinhude - der Künstlerort
Steinhude - der Künstlerort
Viele Künstler sind "Einwanderer", sie haben sich aus den verschiedensten Gründen am Meer niedergelassen. Der bekannteste von ihnen ist Paul Smalian. Nachdem er fast die ganze Welt gesehen hatte, ließ sich Smalian 1948 in Steinhude nieder. Hier malte er bis zu seinem Lebensende im Jahr 1974. Smalian wurde 1901 in Neuruppin geboren und studierte in Berlin an der Staatlichen Kunstschule, wo er 1925 sein Staatsexamen ablegte. Einige seiner Werke befinden sich in den Ländern, in denen er gearbeitet hat: in Ägypten, Brasilien, Tunesien, Marokko, Westafrika, Ceylon, Thailand, Spanien, Italien, Frankreich und in der Schweiz. Auf der Insel Itaparica, vor Bahia, gibt es sogar eine Paul-Smalian-Straße. Zahlreiche Bilder sind vom Niedersächsischen Kultusministerium und der Staatsgalerie Dessau angekauft worden. Bedeutende Werke befinden sich noch heute im Besitz der Familie Smalian in Steinhude sowie in zahlreichen Steinhuder Haushalten.
 
Graf Wilhelm, der Stratege
Graf Wilhelm, der Stratege
Das Steinhuder Meer inspiriert offensichtlich, hier entstehen gute Ideen im Überfluss. Einer dieser Genies ist der ehemalige Landesherr Graf Friedrich Wilhelm Ernst zu Schaumburg-Lippe (1724-1777). Dieser große Geist in einem sehr kleinen Land hat die Geschichte seiner Zeit maßgeblich beeinflusst. Der Bau der Festungsinsel Wilhelmstein geht auf seine Initiative zurück. Graf Wilhelm hat immer Stärke gezeigt und damit einen Angriff auf sein Schaumburger Ländchen verhindert. Der Wilhelmstein wurde später als Kadettenschule genutzt. Scharnhorst, der spätere Reformator des preußischen Heeres war einer der Schüler. Zeitweise war der Wilhelmstein Militärgefängnis, ganz unten im Kerker sitzt noch heute eine finstere Figur beim Kerzenschein.
 
Erbarme, die Hesse komme
Erbarme, die Hesse komme
In der Festung sieht man heute historische Waffen. Zwischen den Zeichnungen von Schusswinkeln von Mörsern und Kanonen findet sich auch die Konstruktionszeichnung des wahrscheinlich ersten U-Bootes. Die Legende von der ungeheuren Kampfkraft dieses, in Wirklichkeit wenig tauglichen, Wassergefährts hat dem Land Schaumburg immerhin die kampfbereiten Hessen jahrelang vom Hals gehalten. Im Jahre 1787, zehn Jahre nach dem Tode Graf Wilhelms, trauten sich die Hessen dann doch und belagerten den Wilhelmstein. Die Festung konnte so lange gehalten werden bis das Königshaus England-Hannover die Angreifer mit einem Machtwort zum Abzug zwang. Heute freuen wir uns, dass die freundlichen Nachfahren der alten Hessen als Feriengäste zur Insel übersetzen.
 
Das erste Tauchboot in Deutschland
Das erste Tauchboot in Deutschland
Die Idee, im flachen Steinhuder Meer ein Tauchboot einzusetzen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. 1762 brachte der in Diensten des Grafen Wilhelm stehende Ingenieur Praetorius seine Pläne für den Bau eines Unterseebootes zu Papier. Es war als schnelles Nachrichten-Schiff gedacht. Praetorius glaubte damit in der Zeit von sechs Tagen von der Weser bis nach Lissabon fahren zu können, um Briefe, Sachen und Personen mit Sicherheit zu transportieren. Er träumte schon von der Unterquerung der Pole. Nach diesen Entwürfen wurde jedoch nicht gebaut. Im November 1771 bestellte der Wilhelmstein-Kommandant Major d'Etienne einen eichenen Kiel für den "Steinhuder Fisch", offensichtlich war der Bau nun befohlen worden. Ein kleinerer Prototyp entstand auf der Festungsinsel, mit einer Kanone versehen für den Überwasser-Einsatz. Wann er fertig wurde und ob Tauchversuche unternommen wurden, weiß man nicht. Dass die Versuche nicht einfach als Torheit abgetan wurden, beweist, dass auch 1775 noch ein Modell, auch ein Tauchapparat, in der Militärschule auf dem Wilhelmstein angefertigt wurde. Ein Versuch der Weiterentwicklung wurde wohl nicht unternommen, doch erscheint der Versuchsbau (Hecht) noch bis 1792 im Bestands-Rapport. Lebewesen nachgebildete Wasserfahrzeuge gab es später nur noch am Festlichen Wochenende, das seit 1953, jährlich zum Saisonabschluss im August veranstaltet wird.
 
Schnell zur Unterkunft:
Anzeige
Bert Hoffmann
Atlantis
Engelmanns Mobiler Service
Hotel Ingrid
Steinhuder Meer-App
Steinhuder Meer-App
Live-Webcam