Historische Plätze und Gebäude in Steinhude

Historische Plätze und Gebäude in Steinhude

Hier erhalten Sie viele interessante Informationen, Zahlen, Daten und Fakten zu historischen Plätze und Gebäude in Steinhude, die jeweils eine besondere Bedeutung in der Steinhuder Geschichte hatten.

 

Hinweisschilder zu historischen Plätzen und Gebäude in Steinhude

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Die Ortsgemeinschaft Seeprovinz im Schaumburg - Lippischen Heimatverein hat schon in den vergangenen Jahren einige Hinweisschilder erarbeitet und aufgestellt und wird das auch weiter fortführen. Sie weisen hin auf historische Plätze und Gebäude in Steinhude, die jeweils eine besondere Bedeutung  in der Steinhuder Geschichte hatten. Im Folgenden haben wir die Hinweisschilder für Sie online gestellt.

Einführung zu den Hinweisschildern

 

Ratskeller

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Der Ratskeller nach dem Neubau 18671477 erteilte Graf Erich zu Holstein - Schaumburg seinen „lewen getruwen und undersaten, den van der Stenhude“ das Recht auf einen „Freien Ratskeller“. Etwa 1515 erhielten sie auch das Braurecht. Die Brauerei wurde an das Ratskellergebäude angebaut. Einzelheiten sind wenig bekannt, weil fast alle Unterlagen durch Dorfbrände und Kriegswirren vernichtet wurden. Bekannt ist, dass es im Ratskeller ein „Gerichtszimmer“ und eine Arrestzelle gab, den „Bolten“. Überliefert ist auch, dass es eine Ratsglocke gab, die allein oder zusammen mit der Kirchenglocke geläutet wurde.

1862 musste die baufällig gewordene Brauerei abgebrochen werden. Sie wurde bereits 1863 mit Gaststätte und Eiskeller an der heutigen Braustraße wieder eröffnet. Auch der alte Ratskeller war baufällig geworden. Er sollte auf „Gemeindebeschluß“ abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser Beschluss führte in der Gemeinde über mehrere Jahre zu „furchtbaren Reibungen“ und zu Widerstand.

Erst 1867 wurde nach Einschaltung der „Hochfürstlichen Regierung“ am alten Standort mit dem Bau begonnen. Noch im gleichen Jahr wurde der neue Ratskeller wiedereröffnet, ergänzt um einen Saal für Feiern und Versammlungen, den Ratskellergarten mit Ausschank und eine Badeanstalt. Große Änderungen brachten die Umbauten in den 50er Jahren. Aus dem Saal wurden Hotelzimmer. Die Gaststättenräume hießen jetzt Ratsbierstube und Ratsweinstube.
Umgestaltet und vergrößert wurde der Ratskellerpavillion. Das hier gebotene Programm zog viele Gäste aus nah und fern an.

Etwa 1970 stand die Modernisierung des Ratskellers an. Geplant war der Neubau eines modernen Hotel- und Kongreßzentrums. Die vorhandenen Gebäude wurden deshalb 1972/73 abgebrochen. Diese Pläne wurden nie verwirklicht. In Folge der Gebietsreform im Jahr 1974 kam es zu einer Gestaltung des Ratskellergeländes in der
jetzigen Form ohne Bebauung. (Text: Hermann Beckedorf)


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Weberort Steinhude

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Weberei SeegersAb dem frühen 17. Jahrhundert entwickelte sich Steinhude zum Weberort. Das Weben war neben der Fischerei und der wenig ertragreichen Landwirtschaft ein Haupt- bzw. Nebenerwerbszweig. Dazu zählten auch der Flachsanbau und seine Verarbeitung. Die örtlichen Gegebenheiten hierzu, wie sandiger Boden und Wasser, erfüllten diese Voraussetzungen.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein dienten noch Handwebstühle zum Weben. 1727 arbeiteten 45 Weber noch auf Handwebstühlen. Es stand fast in jedem 2. Haus ein Webstuhl. Die Leinengarne wurden aus Flachs hergestellt, der sowohl in der Grafschaft als auch vor Ort angebaut und zu Garnen verarbeitet wurde. Hierzu waren folgende Vorgänge erforderlich: Riffeln (gerauften Flachs vom Samen befreien), Rösten (Auslösen der Flachsfaser durch eine bakterielle Einwirkung in Wasserkuhlen) und anschließende mechanische Prozesse (Schlagen, Brechen, Schwingen, Hecheln und Spinnen).

1728 bemühten sich diese 45 Weber um ein eigenes Zunftrecht, um dadurch die Gleichstellung zu anderen zünftigen Handwerkern zu erhalten und um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dieses Zunftrecht mit seinen 8 Artikeln wurde vom Landesherren Graf Friedrich Christian bestätigt. 1889 wurde die Weberzunft von der Weberinnung abgelöst. Hierfür wurde das "Statut der Weberinnung zu Steinhude" genehmigt und bestätigt. Es umfasste 57 Paragraphen und regelte unter anderem das Lehrlings- und Gesellenwesen, die Meister- und Gesellenprüfungen und die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Meistern, Gesellen und Lehrlingen. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Mechanisierung der Webmaschinen in Deutschland. Auch in Steinhude kam dieser Wechsel und es entwickelte sich eine weltweit bekannte Textilindustrie.

Das in Steinhude produzierte Reinleinen-, Halbleinen- und Baumwolltischzeug war in Qualität, Design, Bild und aufgrund der individuellen Namenseinwebung sehr beliebt und bekannt. Die Blütezeit der Weberei in Steinhude war das Jahr 1954. (Text: Willi Struckmann)


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Am Mühlenberg

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Steinhuder Bockwindmühle15.05.1897 Beginn der Bauarbeiten an der Schmalspurtrasse für die Steinhuder Meer-Bahn.
21.05.1898 Aufnahme des fahrplanmäßigen Verkehrs zwischen Wunstorf und Bad Rehburg. In der Folge wurde die Trasse bis Uchte erweitert.
18.01.1964 Letzter planmäßiger Personenverkehr.
18.08.1970 Ende des Güterverkehrs.
19.09.1970 Beginn der Abbrucharbeiten

Eine Bildrarität ist das 1897 während der Bauzeit der Steinhuder Meer-Bahn entstandene Foto mit der Lok „Steinhude“ und einem Bauwagen vor der Steinhuder Bockwindmühle. Hier entstand damals die Trasse, der heute noch der Radwanderweg folgt. Wie der alte „Färber“ (Herbert Thiele), ein ausgezeichneter Kenner Steinhuder Geschichte, zu berichten wusste, sind die modisch gekleideten Herren auf dem Foto keine Bahnarbeiter, sondern Mitglieder eines Wunstorfer Kegelklubs. Diese wollten sich anlässlich eines Ausflugs nach Steinhude wohl auch über das Fortschreiten der Bahnbauarbeiten informieren. Um nun unterwegs nicht Durst leiden zu müssen, hatten die Kegler ein Fass Bier als Wegzehrung dabei, das für das Foto auf dem Bauwagen drapiert wurde.

Auch die Historie der Windmühle ist interessant: 1670 schlossen sich 186 Steinhuder zusammen und errichteten auf der damals „Kaninchenberg“ genannten Anhöhe eine Bockwindmühle mit einem Roggenmahlgang. Den Mühlenbaum holten sie „von der anderen Seite“ über das zugefrorene Meer nach Steinhude. 1691 kaufte man für 1000 Taler „den Wind“ vom Landesherrn, dem Grafen Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe. Fortan musste Steinhude keine Mühlensteuer mehr entrichten. 1768 stilisierte Jacob Chrysostomus Praetorius die Umrisse der Bockwindmühle in der Landkarte „Plan von der Gegend um Steinhude und Grossen Heydorn“.

1911 brannte die Bockwindmühle nach einem Blitzschlag ab.
1912 erwarben die Steinhuder eine 1863 in Broitzem bei Braunschweig errichtete Holländermühle. Diese ließen sie an der jetzt „Mühlenberg“ genannten Stelle wieder
aufbauen. Heute heißt diese Mühle „Paula“. (Text: Hermann Beckedorf)


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Rüken Ri'e und Quest

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Der versinkende Reiter, Illustration von Andreas EislerDie Sumpfzone am Westenmeer reichte damals von Steinhude - Grenze etwa „Lütjen Deile“ - bis zum gegenüberliegenden Mardorf. Sie bestand aus Wiesen, durchsetzt mit Büschen und Bäumen. Landseitig war sie zwar weich, aber streckenweise sogar mit Pferd und Wagen befahrbar. Allerdings mussten die Pferde dann Spezialschuhe tragen, wie sie noch im Fischer- und Webermuseum in Steinhude zu sehen sind. Weiter seewärts wird die Sumpfzone immer schilfiger und schwammiger, so dass sie zuletzt nur aus einem dünnen Grasteppich besteht, der auf einer Schlammschicht schwimmt. Genannt wird diese Zone „Schwimmende Wiesen“, „Fledderwiesen“ oder „Quest“. Ein Begehen ist nicht möglich, zumindest aber lebensgefährlich. Unter den Schritten bildet sich ein Tal und vor und hinter der Person laufen je zwei Wellen wie ein
wallendes Tuch. Der Bremer Reiseschriftsteller Dr. Johann Georg Kohl beschreibt dies in „Nordwestdeutsche Skizzen“ (1864) sehr gegenständlich.

Als Zeitzeuge kann der Texter des Schildes die Angaben Kohls aus eigenem Erleben nachvollziehen, denn früher gehörte das Hüten des Viehs nach dem zweiten Schnitt gerade im Quest zu unseren Aufgaben. Ende der 1950er Jahre kam es zu einschneidenden Änderungen. Die Wasserwirtschaft baute im Interesse der Landwirtschaft den „Südbach“ in Etappen bis zum heutigen Wohnmobilplatz aus. Damit sollte das zufließende Oberflächenwasser vom Meer weg unter dem Hagenburger Kanal durch einen Düker direkt in den Meerbach geleitet werden. Die Absenkung des Grundwasserstandes um etwa 60 cm gegenüber dem Meeresspiegel war erklärtes Ziel und ermöglichte eine bessere Bodenbearbeitung. Sie führte aber auch zu einer nicht gewollten Änderung der Vegetation, die große Einschnitte bei der Tierwelt nach sich zog. Viele Tierarten verschwanden völlig. In den Jahren vor 1973 kam es zusätzlich zur Aufschüttung des heute sehr beliebten Wanderweges West. Seitdem wurde in diesem Bereich das früher häufige Abreißen von Wiesenstücken in Form der „Schwimmenden Inseln“ nur noch selten beobachtet. Ab 1990 drehte der Naturschutz diese Entwicklung wieder um. 13 Millionen DM flossen in das Projekt. 70 Prozent der Meerbruchwiesen gehören jetzt der öffentlichen Hand.

Die Verpachtung an die Landwirtschaft erfolgte nur mit Auflagen - wie Extensivierung der Bewirtschaftung, Aufstaumaßnahmen und Bildung von Flachwasserzonen. Die vernäßte Uferzone reicht jetzt vom Hagenburger Kanal bis etwa zum Seehotel Mardorf. Die Tierwelt dankte es. Weißstörche, Kreuzkröten, Laubfrösche sowie Moor- und Wasserfrösche leben heute wieder hier. Im Bereich des Naturschutzgebietes brüten Adler und Kraniche. Große Schwärme von Zugvögeln rasten hier. „Eingebürgert“ wurden Wasserbüffel, die sich aber offensichtlich wohlfühlen. (Text: Hermann Beckedorf)


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Steinhuder Post

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Die Steinhuder Post, Fritz und Hela Fietzeck, NienburgSeit etwa 1688 führte eine der wichtigsten Postkutschenlinien von Osteuropa über Berlin - Hannover - Osnabrück nach Brüssel und Holland über das benachbarte Hagenburg. Hier wurde ein Freihof zur Posthalterei umgewidmet. Viele Reisende rasteten und übernachteten hier, darunter auch der russische Zar Peter I., die Könige Georg I. und Georg II. von England, die Könige von Schweden und Preußen. Auch die Pferde wurden hier versorgt oder gegen frische Pferde ausgewechselt. Steinhude lag abseits von Postrouten und war anfangs nur über Hagenburg (Altenhagen) zu erreichen. Vor Ort aufkommende Postsachen wurden im Haus Nr. 10 (jetzt Friedenseiche 8) gesammelt und vom Boten Tatje in einer Kiepe nach Hagenburg gebracht. Die Weiterbeförderung der Post geschah oftmals auch von Hagenburg noch weiter auf Schusters
Rappen.

So suchte der Amtsschreiber in Hagenburg „einen tüchtigen Kerl, der den ganzen Weg von Hagenburg bis Bückeburg und zurück läuft“. 1855 wurde für Steinhude eine Thurn- und Taxissche Postexpedition erwähnt und Adolph Hodann zum Postagenten bestellt. Ab 1865 kamen täglich zwei Postkutschen nach Steinhude zum Austausch von Brief- und Fahrpost. 1871, nach der Reichsgründung, wurde in Steinhude die Expedition zu einer Postagentur herabgestuft. Etwa 1876 wurde eine Fahrpostlinie zwischen Wunstorf und Steinhude eingerichtet, die bei Bedarf noch um Personenbeiwagen verstärkt wurde. 1892 war Steinhude wieder Postamt und erstmalig verließ eine kaiserliche Post Steinhude mit Trompetensignalen. Wilhelm Thiele, Gastwirt im Gasthof zur Post, wurde neuer Postagent in Steinhude. Im Februar 1892 verkaufte der Postagent Thiele seinen „Gasthof zur Post“ an den Ratskellerwirt Branning.

Im April 1892 erfolgte unvermutet eine Kassenrevision beim Postagenten Thiele. Als Ergebnis wurden Thiele die Kassenschlüssel abgenommen und er vom Dienst  suspendiert. Thiele wählte daraufhin den Freitod, obwohl der Fehlbetrag von ihm ausgeglichen wurde. Die Postbehörde hatte schon im Mai 1892 das Haus des Konrad Seegers (heute: Leinenweberstraße 15) für die Aufnahme des Postamtes und als Wartemöglichkeit für Postkutschenreisende gemietet. 1892 richtete der Fuhrunternehmer Beckmann eine zusätzliche Postomnibuslinie zwischen Wunstorf und Steinhude ein. 1898, zugleich mit der Inbetriebnahme der Meerbahn, wurde die Postlinie eingestellt. Zuvor hatte der Postillon Langwost zum letzten Mal auf dem Bock mit Vierergespann und Postreiter paradiert. Post- und Personen fuhren jetzt mit der Eisenbahn. Für eine kurze Übergangszeit wurde ein Praktikant Postverwalter, ihm folgte Theodor Langwost, der ehemalige Postillion. 1903 zog die Post um. Das Ehepaar Langwost hatte
in Bahnhofsnähe ein besser geeignetes Gebäude errichtet und an die Post vermietet. Der Raumbedarf für die Mitarbeiter wuchs in Anpassung an das steigende Arbeitsaufkommen weiter. 1925 waren schon 5 Mitarbeiter für die Post tätig: Postmeister Otto Olfenbüttel, Postgehilfin Marie Rißmann, Postschaffner August Kelb, Postschaffner Heinrich Schweer (Awerdirks Breifdräger) und Posthelfer Heinrich Voigt.

Auch die Relaisräume für Telefonanlagen mehrten sich. Noch einmal kam es zu einem Neubau. 1960 errichtete der Flecken Steinhude für sich und die Post ein Gebäude, das an den immer noch steigenden Bedarf angepasst war und bei der Einweihung als schönster Verwaltungsbau in Schaumburg-Lippe bezeichnet wurde. Seit Anfang der 1990er Jahre wurde die Post in Etappen privatisiert und dabei in drei eigenständige Bereiche aufgeteilt. Die Zustellungen wurden umgestellt und der Schalterdienst privaten Agenturen übertragen. Das Telefonwählamt war bereits Jahre zuvor im Nachbarort Großenheidorn in einem gesonderten Haus neu installiert worden. Das 1960 errichtete Steinhuder Gebäude wurde 2004 abgebrochen und die entstandenen Freiflächen zum Parkplatz für einen Supermarkt umgewidmet. (Text: Hermann Beckedorf)


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Altsteinzeitliches Jagdlager am Hohenholz

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Luftaufnahme des Hohenholz, Ronald ReimannAm Waldrandgebiet des Hohenholz wurde im Jahr 1954 beim Sandabbau eine steinzeitliche Jagdstation der späten Altsteinzeit angeschnitten. Die zahlreichen bearbeiteten Feuersteine sind Spuren des ältesten bekannten Siedlungsplatzes im Gebiet des Steinhuder Meer. 185 Feuersteinartefakte wurden in 1,5 m Tiefe auf einer Fläche von 1,6 × 1,6 m geborgen. Es handelt sich um 26 Werkzeuge wie Klingenkratzer, Stichel, Stücke mit Endretuschen und Projektile sowie Abschläge. Die Menschen, die diese Gerätschaften vor etwa 14.000 bis 14.500 Jahren hergestellt hatten, waren die ersten, die nach dem Maximum der letzten Vereisung vor etwa 20.000 Jahren die nordeuropäische Tiefebene wieder besiedelt haben. Der Fundplatz wurde nicht fachmännisch ausgegraben und liefert daher keine Hinweise zum genauen Aussehen des Lagers.

Es dürfte sich jedoch wegen der räumlich eng begrenzten Fundstreuung um eine kleine, relativ kurz besiedelte Jagdstation mit einem Zeltplatz von Rentierjägern handeln. In der ausklingenden Eiszeit ab etwa 14.750 Jahre vor heute ging die Vegetation in eine offene Strauchtundren- und Steppenlandschaft über, ähnlich dem heutigen Alaska oder Teilen Sibiriens. Entsprechend lebten hier Tiere, die heutzutage im arktischen und subarktischen Raum vorkommen, wie etwa die Rentiere, aber auch Pferde und Wisente. Bald hielten auch Tiere wie Hirsch, Elch und Biber Einzug. Das Leben der Jägergruppen wurde bestimmt durch die jahreszeitlichen Wanderungen der Steppentiere, zum Beispiel den Rentierherden, dem Hauptbeutetier. Zum Überwintern zogen die Tiere in tiefer gelegene Regionen des Nordens, zum Frühjahr bewegten sie sich nach
Süden in Richtung Süntel und Deister, um während der kurzen, warmen Jahreszeit in kleineren Gruppen in den Mittelgebirgen ihre Sommerweiden zu beziehen. Zum Herbst sammelten sie sich wiederum in großen Herden und suchten ihre nördlichen Wintereinstände auf. Auf diese Wanderzyklen hatten sich die steinzeitlichen Jäger eingestellt und passten die großen Herden an Stellen ab, die für die Jagd günstig waren. Das Gebiet des Hohenholz bot wahrscheinlich gute Jagdchancen, wenn die Rentiere zwischen Ebene und Gebirgsregion wechselten. Von der exponierten Geländeerhebung werden die Jäger auch Fische und Vögel gejagt sowie Beeren und Pflanzen gesammelt haben. (Text: Ronald Reimann)


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Der jüdische Friedhof in Steinhude

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Aufnahme eines Teils des Friedhofs aus nördlicher Richtung

Der jüdische Friedhof hier an der Nordwestecke des Hohenholzes liegt weit außerhalb der Bebauung ca. 2- 4 km Luftlinie von Steinhude, Großenheidorn und von Hagenburg entfernt. Juden aus diesen drei Gemeinden wurden dort beerdigt. Das Flurstück, das dem Landesverband der jüdischen Gemeinden gehört, ist 1296 m² groß und mit lichtem Wald, Birken und Eichen bewachsen. Der Boden ist sandig. Die erste anhand der Grabsteine nachzuweisende Bestattung fand 1793, die letzte 1942 statt. Außer den jetzt festzustellenden 63 Grabstellen muss es früher noch weitere gegeben haben, denn der Friedhof wird schon 1769 auf der Karte von J.C. Prätorius erwähnt. 1793 wurde von der Fürstin Juliane eine Erweiterung um 4-6 Quadratruten (ca. 130 m²) genehmigt. 1854 schenkte der Fürst Georg Wilhelm noch einen viertel Morgen (ca.600 m²) dazu. Auf dem alten westlichen Teil des Friedhofs sind nur noch zwei Grabsteine vorhanden, der Rest ist wohl zerstört worden - entgegen jüdischem Brauch, denn die Grabstätten auf einem jüdischen Friedhof bleiben immer erhalten. Ein jüdischer Friedhof hat Ewigkeitsbestand. Erst im 19. Jahrhundert erlangten die Juden die bürgerlichen Rechte, so 1871 das Wahlrecht, dennoch wurden sie weiter diskriminiert.

Die Juden in der Seeprovinz hatten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Steinhude bzw. zeitweise in Großenheidorn und Hagenburg eine Synagoge. In Steinhude lebten um 1860 drei jüdische Familien. Ab 1933 und ganz besonders ab 1938 litten die Juden, wie überall in Deutschland, unter dem massiven Druck der Nationalsozialisten. Zwei Familien aus Steinhude wanderten darum 1938 und 1939 nach Palästina und nach Chile aus und entgingen so dem traurigen Schicksal der dritten Familie. Durch die nationalsozialistische Verfolgung endete die Tradition jüdischen Lebens in der Seeprovinz. Der Friedhof hier im Hohenholz wird von der jüdischen Gemeinde in Hannover weiter gepflegt und unterhalten. Man findet immer kleine Steine auf den Grabsteinen. Das zeigt, dass häufig Menschen hierher kommen, um der Verstorbenen zu gedenken. Für Alle sollte dieser Platz auch ein Mahnmal sein und an nationalsozialistische Herrschaft mit Diskriminierung, Verfolgung und Mord an Millionen Menschen erinnern.

Beispiele für Familienschicksale

Familie Frank
Die Steinhuderin Ida Frank konnte hier nicht mehr ihre letzte Ruhe finden. Sie wurde zwangsweise 1942 nach Bergkirchen in ein "Judenhaus" umquartiert und von dort ins Ghetto Theresienstadt gebracht. In der Gedenkstätte Theresienstadt ist dokumentiert, dass sie von dort am 23. September 1942 mit dem Transport BQ1160 mit 1980 anderen Personen ins Vernichtungslager Treblinka abtransportiert wurde; Überlebende gab es nicht. "Juden-Ida" war in Steinhude wohl geschätzt. Sie hatte in Steinhude einen Laden für Manufakturwaren und betrieb zeitweilig das Luft und Seebad. Aus einem anderen Teil der Familie Frank in Steinhude wurde die Tochter Rosa in ein Heim für Behinderte gebracht und kehrte nicht mehr zurück. Der Vater Levy starb in Steinhude 1940 an den Folgen der Inhaftierung.

Familie Jonas
Von der Familie Jonas aus Hagenburg sind mehrere Gräber auf dem Friedhof. Ihr Name wurde 1766 erstmals erwähnt. Über die Jahre gelangte die Familie zu Wohlstand und betrieb ein Textilgeschäft. Es waren angesehene Bürger, die im Gemeindeleben integriert waren. Nach dem Boykott der jüdischen Geschäfte, den Ausschreitungen in der Reichspogromnacht und zeitweiliger Verhaftung verkaufte die Familie ihr Geschäft und Haus und wanderte 1939 aus. Der Verkaufserlös wurde wie andere jüdische Vermögenswerte beschlagnahmt. (Text: Jürgen Engelmann)



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Steinhuder Meer-Bahn und der Bahnhof in Steinhude Teil 1

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Ankunft in Steinhude, Sammlung BeckedorfAm 21. Mai 1898 begann für die Seeprovinz das schon seit Jahren herbeigesehnte Eisenbahnzeitalter. Die „Steinhuder Meer-Bahn“, eine Schmalspurbahn, erschloss die abseits liegende Meerregion und das Ausflugsgebiet Rehburger Berge. Der Eröffnungszug wurde überall mit Jubel begrüßt. Zuerst wurde der östliche Abschnitt Wunstorf – Bad Rehburg (20,8 km) fertiggestellt. Ein Jahr später kam der westliche Abschnitt Bad Rehburg bis Uchte dazu (52 km.) Für die Streckenausstattung wählte die Meer-Bahn unterschiedliche Varianten, die aus angemieteten oder neu errichteten Bauwerken bestanden. Verwaltung und Werkstatt der Bahn kamen nach Wunstorf.

In Steinhude entstand ein neuer Bahnhof mit Bahnhofsgaststätte. Neben Wunstorf war auf Dauer nur Steinhude mit Bahnbeamten besetzt. Die übrigen Bahnhöfe wurden von Bahnagenten betreut. Der Steinhuder „Bahnhofsvorsteher“ hieß Leonhardt Wild und war für die Regelung des Zugverkehrs zuständig. Fahrkarten erhielt man bis 1925 noch in der Bahnhofsgaststätte an der Theke. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Bahnhofswirt Heinrich Knölke auch für die Annahme und Ausgabe von Gütern zuständig. Das Bahnhofsgebäude Steinhude wurde schnell zu klein. Es musste bereits 1924 und noch einmal 1956 erheblich vergrößert werden. Der Reiseverkehr entwickelte sich unterschiedlich. 1905 wurden insgesamt 226.276 Personen befördert. Der westliche Abschnitt von Rehburg Stadt bis Uchte war und blieb im Vergleich schwach ausgelastet, und wurde deshalb stillgelegt und auf Busverkehr umgestellt. Für den östlichen Abschnitt hatte 1881 der Steinhuder Bürgermeister Tatje für seinen Ort täglich 4 bis 5 Personen als Reisende prognostiziert.

Die Entwicklung des Fremdenverkehrs überraschte dann aber nicht nur Tatje und war wohl so nicht vorauszusehen gewesen. Hier war es besonders der Bahnhof Steinhude, der einen außergewöhnlich hohen Zuwachs an Reisenden zu verzeichnen hatte. An schönen Wochenenden waren es Tausende, die die langen Meerbahnzüge (bis zu 18 Wagen) erstürmten. 1950 nannte die „Norddeutsche Zeitung“ Zahlen: An warmen Sommertagen bis zu 8000 Seegäste an das Meer; in der Heilstätte Bad Rehburg erhielten 1000 Kranke Besuch; ca. 3000 Berufstätige und Schüler pendelten in der kalten Jahreszeit. Hinzu kamen noch die Betriebsausflüge, z.B. kam die „Bremer Wollkämmerei“ mit 4500 Teilnehmern in 4 Sonderzügen nach Steinhude. Ein Fahrplanbuch aus 1927 beinhaltet für Steinhude 34 Halte von Zügen, darunter 20 „beschleunigte Personenzüge“. Spitzenzahlen im Personenverkehr mit über einer Million Fahrgästen gab es in den Jahren 1946 und 1947; die absolute Höchstzahl mit 1.165.219 Personen wurde 1948 erreicht. Als Zugfahrzeuge hatte die Meer-Bahn anfangs 6 Schmalspurdampflokomotiven. Später waren es bis zu 11 Dampfloks und noch später - ab 1933 – 2 Diesellokomotiven und bis zu 4 Triebwagen. Die letzte Dampflok wurde 1960 verschrottet. Als Express- und Eilgut kamen alle Lebensmittel, von Spirituosen bis hin zur Sahneziege auf der Schiene, meistens im Packwagen der Reisezüge. Die Postbeförderung erfolgte in verschlossenen Postabteilen. (Text: Hermann Beckedorf)


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Steinhuder Meer-Bahn und der Bahnhof in Steinhude Teil 2

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Festumzug 1998, Hermann BeckedorfAnders war es im Ladungsverkehr. Hier mussten anfangs alle von außerhalb kommenden Güter beim Wechsel von Normal- auf Schmalspur und umgekehrt per Hand in Wunstorf umgeladen werden. Dies änderte sich erst mit Einführung der Rollwagen, die ab 1936 die Normalspurwagen ohne Umladung „huckepack“ zum Zielort brachten. Einige Jahre später brachten die immer länger werdenden Güterwagen neue Schwierigkeiten, denen aber ab 1946 mit Einsatz von Rollböcken begegnet werden konnte. Der Bahnhof Steinhude verfügte neben dem Hauptgleis über ein Ausweich-/Überholgleis, das zeitweise auch als Ladegleis für die Firma Nistac genutzt wurde, und fünf weitere Gleise. Ein Gleis führte zur Stückgutrampe am Güterschuppen. Hier wurde der Kurswagen von Wunstorf entladen. Die Weiterverteilung dieser Stückgüter erfolgte in der Regel durch den bahnamtlichen Rollfuhrunternehmer Wilhelm Knölke, einen Bruder des Bahnhofswirtes. Sein Pferdegespann und der Rollwagen mit Garnballen für die Webereien gehörten über Jahrzehnte zum Ortsbild. Die nächsten beiden Gleise lagen rechts und links von der Ladestraße und konnten von allen Bahnkunden für Be- und Entladungen genutzt werden.

In der Regel handelte es sich um Kohle, Koks, Getreide, Futtermittel, Baustoffe und andere Massengüter. Rund 50 Kleinbahnwaggons waren es monatlich allein an
Kohle. Aber auch der Geldschrank der Volksbank und die vielen Rohmaterialien der Lohgerberei gehörten dazu. 1939, kurz vor Kriegsbeginn pendelten pausenlos LKW der Firma Schäker mit Fleisch- und Wurstwaren von der Ladestraße zum „Schäker-Lager“, dem einige Jahre zuvor aus der ehemaligen Lohgerberei entstandenen Kühlhaus. Ein weiteres Gleis endete an der Kopf- und Seitenrampe und wurde für das Verladen von Booten und Landmaschinen genutzt. Das letzte Gleis endete im Konsumlagerschuppen. Neu war auch, dass der mit dem zunehmenden Tourismus ansteigende Aalverkauf aus Fängen im Meer nicht mehr gedeckt werden konnte.

Ab 1926 ist schon nachweisbar, dass lebende Aale aus Fremdrevieren bezogen wurden. Verpackt in Holzkisten kamen die Aale im Packwagen der Reisezüge bis Wunstorf und weiter mit der Kleinbahn nach Steinhude. Schon seit einer Reihe von Jahren hatte sich der Bus zur Konkurrenz für die Schiene entwickelt. 1961 hatte die Meer-Bahn 373.000 Fahrgäste auf der Schiene und 379.000 Fahrgäste im Bus. Eine versuchsweise über drei Monate durchgeführte Doppelbedienung Schiene/Bus ließ die Züge noch leerer werden. Der Aufsichtsrat beschloss darum die Einstellung des Personenverkehrs zum 18.01.1964. Der Güterverkehr endete am 19.08.1970. Das Gleis wurde sofort abgebrochen. Damit erledigte sich auch der Streit um die Verlegung der Bahntrasse und den Ausbau der Klein Heidorner Dorfstraße. (Text: Hermann Beckedorf)


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