In 80 Tagen

Opfer und Täter aus der Nachbarschaft

Auf einen Blick

Euthanasie – die systematische Ermordung von körperlich und geistig beeinträchtigten Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus – ist das Thema des Vortrags von Dr. Michael von der Haar.    


Gar nicht weit müsse er schauen, sagt von der Haar, um auf Menschen zu stoßen, die von den Nazis ermordet wurden. In Bad Rehburg, dort, wo er bis vor wenigen Jahren Klinikchef des Maßregelvollzugszentrums war, wisse er von einem Hausmädchen, das sich „auffällig verhalten“ habe, deshalb in die Psychiatrie eingewiesen und schließlich ermordet wurde. Ein anderes Schicksal, das er anführen will, ist das von Erich Busack – Bad Rehburger, psychisch krank und Jude, der zu denjenigen gehört, die aus der Wunstorfer Psychiatrie 1940 deportiert und in eine Gaskammer geführt wurden.



Neben diesen Schicksalen will von der Haar das perfide System vorstellen, das die Nazis aufbauten, um die Ermordung von Behinderten und Kranken zu rechtfertigen. Die sogenannten „Judentransporte“ von psychisch Kranken aus Wunstorf, die auch Erich Busack zum Verhängnis wurden, waren der Anfang dessen, was zur Ermordung von Hunderttausenden Kranken und Behinderten führte und letztlich im Holocaust mit der Ermordung von sechs Millionen Juden gipfelten.



Speziell auf einen der Täter will der Psychiater zudem eingehen. Professor Hans Heinze senior gehörte zu den drei Gutachtern, die ab 1939 für die Einweisung von geistig und körperlich behinderten Kindern in so genannte „Kinderfachabteilungen“ zuständig waren. Der überwiegende Teil der eingewiesenen Kinder wurde nach einer klinischen Untersuchung getötet.



Hans Heinze lebte in den 1960er Jahren in Bad Rehburg und war von 1954 bis zu seiner Pensionierung Leiter der Kinderpsychiatrischen Klinik des Landeskrankenhauses Wunstorf. Er war einer der Täter, die unbeschadet nach dem Krieg weiterarbeiten durften.



Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei. Zu beachten gibt der Arbeitskreis, dass der Zugang zu seinen Räumen nicht barrierefrei ist. Besucher, für die eine Treppe ein Hindernis darstellt, können sich unter der Nummer (0 50 37) 13 89 oder unter melden.



 

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