In 10 Tagen

Tetyanas kurzes Leben Über die NS-Zwangsarbeit in der Pulverfabrik Liebenau und das Hospital Montgomery

Auf einen Blick

Viele Menschen, die von den Nazis in der Pulverfabrik Liebenau unmenschlich behandelt wurden, sind nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zur Heilung in das Bad Rehburger Hospital Montgomery gekommen.


Die Pulverfabrik und das Hospital stehen im Mittelpunkt des Vortrages, den Martin Guse von der „Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau“ am Dienstag, 3. März 2020, 19.30 Uhr, in der Geschichtswerkstatt des Arbeitskreises Stolpersteine Rehburg-Loccum im Gebäude des Rehburger Raths-Kellers halten wird. Für Sonntag, 8. März, ist zudem eine Exkursion über das Gelände der ehemaligen Pulverfabrik geplant.



 



228 Namen sind in die Steine des Ehrenfriedhofs in Bad Rehburg eingemeißelt. 228 Menschen, die von den Nazis zu Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern oder KZ-Häftlingen gemacht wurden und die nach der Befreiung vom Mai 1945 so krank und geschwächt waren, dass sie im Hospital Montgomery, das die britischen Besatzer in Bad Rehburg eingerichtet hatten, geheilt werden sollten. Für diese 228 Menschen kam die Hilfe zu spät und ihre Namen auf den Steinen zeugen von dem Leid, das ihnen zugefügt worden ist. Mehr über diese Menschen zu erfahren, ist eines der Anliegen des Arbeitskreises.



 



Viele dieser Menschen auf dem Friedhof mussten während der NS-Zeit als Zwangsarbeiter in der Liebenauer Pulverfabrik arbeiten. Dort erforscht Martin Guse seit etlichen Jahren ihre Schicksale. Von den zirka 20.000 Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, die von 1939 bis 1945 dort zur Arbeit gezwungen wurden, starben laut Gräberlisten der Gemeinden über 2.000. Sie sind auf der Kriegsgräberstätte Deblinghausen-Hesterberg bestattet. Guse und sein Team haben bis jetzt 653 Namen der Todesopfer recherchieren können und entsprechende Namenstafeln installiert. Bei seinen Forschungen kam auch zutage, dass einige an TBC schwer erkrankte Zwangsarbeiter der Pulverfabrik nach dem Krieg in das Hospital Montgomery kamen.



 



Was ihm über dieses Hospital und insbesondere über das Geschehen in der Pulverfabrik bekannt ist, wird Guse am 3. März insbesondere am Beispiel von Tetyana Osnatsch erläutern. Sie wurde 1942 im Alter von 20 Jahren gemeinsam mit ihrer Schwester aus ihrem Dorf Iwot in der Ukraine nach Liebenau verschleppt, erkrankte 1943 an Tuberkulose und starb im Juli 1945 im Hospital Montgomery. Guse machte Tetyanas letzte lebende Verwandte ausfindig und besuchte sie in der Ukraine. Von diesen Begegnungen und dem, was er von ihr erfuhr, will er ebenfalls berichten.



 



Eine Exkursion über das Gelände der Pulverfabrik in Liebenau ist für Sonntag, 8. März um 14 Uhr geplant. Mit einer räumlichen Ausdehnung von zwölf Quadratkilometern war die Pulverfabrik einer der größten Rüstungsbetriebe Deutschlands. In Fahrgemeinschaften unter der Führung von Martin Guse wird das Gelände bereist.



Eine Anmeldung zu der Exkursion ist zwingend erforderlich unter oder unter der Nummer (0 50 37) 13 89. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.



Zu dem Vortrag ist keine Anmeldung notwendig. Beide Veranstaltungen werden kostenlos angeboten.



 



 

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März 2020

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