© Florian Toffel - SMT

Einzigartiges am Steinhuder Meer

Von Auswanderern, Torfkähnen, der Kastenmangel, der Postboje, Aal, Sekt & Schokolade und einem Fisch im Gesicht ... und was hat es eigentlich mit dem Steinhuder Hecht auf sich?

© Hans F. Meier

Auswanderer

Dies ist ein Bootstyp einer offenen Segeljolle, der ausschließlich auf dem Steinhuder Meer als Ausflugsboot eingesetzt wird. Die Holzjollen wurden sowohl in Rund- als auch in Knickspant-Bauweise gebaut und haben eine Länge von 8 - 10 m, eine Breite von 2,5 - 3 m. Charakteristisch für diese Boote sind die Gaffelsegel mit einer Segelfläche von ca. 42 qm. Der Name Auswanderer geht auf die Anfangszeit des Tourismus am Steinhuder Meer zurück: Die Segelboote fuhren damals vom Schaumburg - Lippischen Steinhude ins Preußisch - Hannoversche Ausland, die Passagiere wanderten somit aus. Die Auswanderertouren führen heute zur Insel Wilhelmstein oder zur Jugendherberge in Mardorf. Die Schiffe sind die einzigen offenen Segelboote in Mitteleuropa, die dem kommerziellen Personentransport dienen.

© Hans F. Meier

Torfkahn

Bei dem Torfkahn handelt es sich um ein Transportboot. Der Ursprung dieser Schiffbautradition liegt vermutlich in der mittleren Steinzeit um 8000 v. Chr. Ausgehend von einem Einbaum wurden später mehrere Bäume zusammengesetzt und quer mit einer Setzbordplanke verstärkt. Die so vergrößerten Boote wurden dann ganz aus Planken gebaut. Die heutigen, etwa 9 m langen Torfkähne bestehen aus drei bis vier 8–10 cm starken Eichenbohlen, auf die Planken aufgesetzt werden. Etwa in der Mitte des Schiffes befindet sich das 50 cm hohe und 10 cm starke Schott. Den hinteren Abschluss bildet das 8–10 cm starke Spiegelschott. Die Schiffe mit Sprietsegeltakelung waren als Einhandsegelschiffe ausgelegt mit zwei nach vorn geneigten Masten. Bei Fahrt ohne Segel wurde früher gestakt, indem man mit einem Holzstab (Staken) am Bug in den Seegrund sticht und das Boot in Fahrtrichtung drückt. Ein Torfkahn wird mit einem spatenförmigen Seitenruder, dem sogenannten Firrer gesteuert. Heute werden die Torfkähne noch zum leeren der Reusen aktiv genutzt. Beim Fischerkreidag findet jedes Jahr, bei entsprechendem Wetter, eine Torfkahnregatta vor der Promenade in Steinhude statt.

© Familie Bredthauer

Kastenmangel

In Steinhude gab es aufgrund des bodenmäßig begünstigten Flachsanbaus bereits im 17. Jahrhundert Leinenweber. Als in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts Leinenfabrikate in großer Menge hergestellt wurden, schickte man diese zur Weiterbearbeitung nach Bremen und Hamburg. 1855 errichtete der Ratsherr Wilhelm Bretthauer auf dem Grundstück Nr. 27 in Steinhude, Graf-Wilhelm-Straße 10, in einem eigenen Gebäude die erste größere Kaltmangel. 

Sie ist heute Europas größte erhaltene Anlage dieser Art. Das gewebte und gebleichte Leinen wurde als sogenanntes Stückgut (50 - 100 m lange Stoffbahnen) von den Webereien abgeholt, erst von Hand, später maschinell mit Wasser besprengt und über Nacht gelagert. Am nächsten Tag wurde es im Wickelstuhl aufgerollt und dann gemangelt. Dabei wurden die Rollen unter den Mangelkasten gelegt, dieser abgesenkt und dann mehrfach über die Rollen bewegt. Das gemangelte Stückgut wurde zum Schneiden und Säumen wieder zurück zu den Webereien gebracht. Anschließend wurden die einzelnen Tischtücher ein zweites Mal eingesprengt, aufgewickelt, gemangelt und dann am großen Tisch kartongerecht gelegt. Anschließend wurde die Ware abwechselnd mit Brettern und Pappen unter eine schwere Presse gelegt, wo sie über Nacht lagerten. Danach war die Ware versandfertig. 

Der bekannteste Angestellte war der Steinhuder Fritz Thiele (1843 - 1936) genannt der "Mangelfritz", der 1857, 2 Jahre nach der Erstellung der Kastenmangel, mit damals 14 Jahren als Gehilfe in den Betrieb eintrat. Er arbeitete dort bis 1930 insgesamt 73 Jahre. Um die Person des "Mangelfritz" ranken sich eine Reihe illustrer Geschichten. Er galt als lebenslustiger Zeitgenosse, der es verstand, Heiterkeit und Frohsinn zu verbreiten. Damit prägte er das Bild des Mangelbetriebes. Die Tätigkeit eines Leinenmanglers gab es in Steinhude bis 1963 als Hauptberuf. Bedient wurden von dem kleinen Betrieb in dieser Zeit nahezu alle Webereien in Steinhude. Nebenbei wurden die Tischtücher vieler Steinhuder Hotels und Haushalte regelmäßig gemangelt. Der vornehmste "Privatkunde" war das Schaumburg-Lippische Fürstenhaus. 

Nachdem einige Webereien in den 60er Jahren ihre Tätigkeit aufgaben, wurde die Leinenmangel von Alfred Baumgärtner, dem letzten Leinenmangler Steinhudes, bis 1983 als Nebenerwerb betrieben. Das Gebäude ist mit allen Einrichtungen weitgehend im ursprünglichen Zustand saniert. Kernstück ist der 12 m lange, 1,2 m breite und 1 m hohe Mangelkasten, in dem sich ca. 12 Tonnen Findlinge befinden. Dieser Kasten wurde anfangs von einem Ochsen und später von einem Pferd gezogen. 1930 wurde ein Elektromotor eingebaut. In den Jahren 1996 – 1999 wurde das baufällige Gebäude von Gisela und Wilhelm Bredthauer mit Unterstützung der niedersächsischen Sparkassenstiftung, der niedersächsischen Denkmalspflege und der Klosterkammer saniert und die Geräte zum großen Teil wieder gangbar gemacht.

© Nils Schweer

Aal, Sekt & Schokolade

Insbesondere in seiner geräucherten Form ist der Aal eines der kulinarischen Wahrzeichen der Steinhuder Meer Region. Seit Jahren fangen Steinhuder Fischer Aale im Steinhuder Meer. Zur Spezialität wird der Aal durch die spezielle Art des Räucherns über Buchenholz. Als kulinarisches Souvenir findet er den Weg zu Feinschmeckern in ganz Europa und wird sogar per Post verschickt. In der Sargossasee am Rande des Bermuda-Dreiecks im Atlantik – über 6000 km entfernt von der deutschen Küste – beginnt das Leben der Aale. Nach der Geburt sehen sie aus wie Larven und haben die Form eines Weidenblattes. Durch den Golfstrom getrieben, landen sie nach 2–3 Jahren an den europäischen Küsten. Dort entwickeln sich die Mini-Larven zu Glasaalen. Die Glasaale ziehen von den Küsten in Schwärmen die Flüsse herauf und verteilen sich in den Binnengewässern. Über die Weser und den bei Nienburg mündenden Meerbach erreichen sie schließlich das Steinhuder Meer. Als Blankaal zieht er wieder zurück in die Sargassosee.

Im Schloss Landestrost in Neustadt befindet sich eine der nördlichsten Sektkellereien Deutschlands. Seit 1888 stellt die Firma Duprès-Kollmeyer im kühlen Kellergewölbe unter anderem Champagner durch Flaschengärung her. Die Kellerei kann besichtigt werden: Offener Sektkeller im Schloss Landestrost, jeden 3. Samstag im Monat jeweils von 12.00 - 17.00 Uhr

„Steinhuder Schokolade aus der ältesten deutschen Schokoladen-Fabrik, gegr. 1765. Hier zu haben.” So warb bis 1951 ein Schild am Haus Am Anger 6. In Meyers Lexikon von 1920 steht geschrieben: „...die erste Schokoladefabrik wurde 1756 in Steinhude von Fürst Wilhelm von der Lippe errichtet”. Der Graf soll nach seinem Portugal-Feldzug eine „Fürstlich schaumburg-lippische Hof-Schokoladenfabrik“ gegründet haben. Das bekannteste und weit geschätzte Produkt war die Steinhuder Rolle. 10 Taler zu je 25 Gramm waren mit einer Papiermanschette mit Goldaufdruck zum „Halb-Pfund-Paket” zusammengerollt. Heute ist von der ersten deutschen Schokoladenfabrik für den Besucher leider nichts mehr zu erahnen. Heute bietet der Landsitz Kapellenhöhe in Wiedenbrügge individuelle Chocoladen-Verkostungen mit zahlreichen Informationen zum Thema Chocolade - Historie, Produktion und Genuss an.

© Christine Kölling - SMT

Postboje

Entstanden ist die Postboje in Folge einer Wette. Mardorfer Segelschüler wetteten abends in geselliger Runde mit ihren Segellehrern, dass man bald auf dem Steinhuder Meer Post einwerfen könne. Der Lehrer wollte mit dieser Wette seine Schüler dazu animieren, öfter nach Hause zu schreiben. Kurzerhand besorgten die Segelschüler eine Boje, bauten diese zum „schwimmenden Briefkasten“ um und die Wette war gewonnen. Die Idee machte Furore. So kam es, dass die Sache offiziell von der Post genehmigt und unterstützt wurde. Von Anfang Mai bis Mitte September befindet sich seit dieser Wette im Jahr 1964 auf dem Steinhuder Meer die Postboje (Position: 52°29,715‘ N und 9°22,00‘ O). Sie wird zweimal in der Woche, in der Saison fast täglich, vom Segelclub Garbsen geleert, mit einem Sonderstempel versehen und in einer Sondermappe zur Wunstorfer Post gebracht.
Jährlich werden circa 2.000 Postkarten in die Postboje im Steinhuder Meer eingeworfen.

© Andreas Menz

Fischerkreidag

„Eck segge: Mit Gunst! – Ji alle, Olt- und Jungfischer, wi danket jück, dat ji user Inladung efolget sind. Eck hete jück alle mit juen Frunslüen willkomen un will hoffen, dat ji düsse Morgensprake, de eck na den Bruuk afhole, sinnig annehöret un acht gewet, as et ehrboren Fischern takummt. So gestaltete sich früher der Ablauf des Fischerkreidags, der Versammlung der Zunft der Fischer. Die Tradition des Fischerkreidags lebt bis heute weiter. Die Fischerei war neben der Weberei der Haupterwerbszweig in dieser Region. Dies wird seit 1978 jedes Jahr (außer 1993–1996) mit einem traditionellen Straßenfest von Freitag bis Sonntag nach Himmelfahrt gefeiert, dem Fischerkreidag.

Ursprünglich kamen am Kreidag die Alt- und Jungfischer zusammen, um ihre Interessen zu beraten, Streitigkeiten zu schlichten, aber auch, um über ihre Mitglieder ein beschränktes Strafrecht ausüben zu können. Mit der Ansprache des Altfischers wurde die Versammlung eröffnet: „Eck segge: Mit Gunst!“. Nachdem das Fest lange Zeit nicht stattfand, wurde nach seiner Wiederbelebung 1978 zehn Jahre später die Ernennung einer Person des öffentlichen Lebens zum Freyfischer etabliert. Walter Hirche, Sabine Steuernagel, Karl-Heinz Funke, Rolf-Axel Eberhardt, Caren Marks oder Hans-Heinrich Sander, Gert Lindemann gehörten u.a. zu den bisherigen Freyfischern. Damit verbunden sind ein freier Fischzug und ein freier Torfstich. Der aktuelle Freyfischer ist der Niedersächsische Ministerpäsident Stephan Weil.

Seit 1998 werden verdiente „Inhucker“ (nicht in Steinhude Geborene, aber mindestens 10-15 Jahre im Ort Wohnende) zum Brassen geschlagen und dürfen sich danach „ungestraft“ Steinhuder nennen. Der Fischerkreidag findet immer am letzten Wochenende im Mai in Steinhude statt.

© Florian Toffel - SMT

Wie ist das Steinhuder Meer entstanden?

Über die Entstehung des Steinhuder Meeres gibt es mehrere Theorien. Neuere Forschungen untermauern die These, dass das Meer nach der letzten Eiszeit bis vor 10.000 Jahren durch das Abtauen einer riesigen Eislinse im Untergrund entstanden ist. Der heutige Wasserbestand des Meeres wird fast ausschließlich aus dem Grundwasser gespeist. Es hat seinen Ursprung in der Nienburger Geest sowie den Rehburger Bergen und ist von der dort fallenden Regenmenge abhängig. Vom gesamten oberirdischen Zufluss erreicht nur ein Viertel des Abflusses den Meerbach, der bei Nienburg in die Weser mündet. Das Meer ist mit seinem Flächeninhalt von 29 Quadratkilometer der größte Binnensee Niedersachsens. Sein Umfang beträgt 24 Kilometer, sein Volumen 48 Millionen Kubikmeter. Bei Mittelwasser liegt der Spiegel des Meeres auf 37,90 Meter. Die mittlere Tiefe des Meeres beträgt 1,35 Meter. Nur in der größten Länge des Meeres (7,9 km) von Südwest nach Nordost zieht sich in etwa 100 Meter Breite ein ungefähr drei Meter tiefer Graben, der im Volksmund Deipen genannt wird. Eine Ausuferung des Steinhuder Meeres ist im Zeitraum von 1901 bis 1920 häufig aufgetreten. Sie fiel gewöhnlich in den Monat April. Der niedrigste Tiefstand wurde im Trockenjahr 1934 ermittelt.

© Florian Toffel - SMT

Kaliberg "Kalimandscharo"

Ein weithin sichtbares Wahrzeichen ist der unübersehbare Kaliberg, der auch liebevoll "Kalimandscharo" genannt wird. Das Unternehmen K+S Kali förderte hier bis Ende 2018 mit seinem Werk Sigmundshall Kalium- und Magnesiumsalze und war gleichzeitig einer der größten Arbeitgeber Wunstorfs. Der Kaliberg ist die Abraumhalde des Kalischachtes.

© Steinhuder Museen

Das Hemd ohne Naht - bis heute ein Rätsel

Nichts verkörpert die hohe Handwebkunst der Steinhuder Weber so wie das Hemd ohne Naht, das im Fischer- und Webermuseum gezeigt wird. Auch nach fast 300 Jahren ist die Geschichte seiner Entstehung nicht vollständig geklärt, so dass sich bis heute verschiedene Legenden um das Hemd ohne Naht ranken. Fest steht, dass es zwischen 1730 und 1765 von Johann Henrich Bühmann - einem Vorfahren der Erbauer des Hauses, in dem sich heute das Fischer- und Webermuseum befindet - gewebt wurde. Wie er ein Hemd ohne Naht auf einem Handwebstuhl, wie sie auch im Museum zu sehen sind, weben konnte, ist bis heute sein Geheimnis geblieben. Tatsächlich gibt es noch zwei weitere Hemden ohne Naht, die von Steinhuder Webern gewebt wurden - nahezu ein Steinhduer Hobby. Bei dem Hemd im Fischer- und Webermuseum gehen die Experten davon aus, dass es vom Kragen beginnend gewebt wurde.

© Fürstliche Hofkammer

Steinhuder Hecht

Die berühmteste Erfindung von Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe war der Steinhuder Hecht, das erste in Deutschland konstruierte U-Boot. Entworfen hat es J.C. Praetorius, der als Ingenieur, Geograph und Offizier in den Diensten des Grafen stand. Als Wilhelm im Jahre 1762 den Oberbefehl in Portugal erhielt, schlug ihm Praetorius ein Tauchboot vor, welches eine schnelle und sichere Verbindung nach Schaumburg-Lippe gewährleisten würde. Bei Überwasserfahrt sollte es von Segeln angetrieben werden. Unter Wasser sollte der „Steinhuder Hecht“ durch Schläge des von der Besatzung gezogenen Fischschwanzes angetrieben werden. Ein kleinerer Prototyp aus Eichenholz in Form eines Fisches soll 1772 im Steinhuder Meer getaucht sein. Angeblich hatte das Boot Raum für acht Mann und konnte etwa zwölf Minuten tauchen. Es ist jedoch nicht bekannt, wie der Tauchversuch ausging, wie er beurteilt und ob er womöglich wiederholt wurde. Die Skizzen und eine Modellnachbildung des „Steinhuder Hechtes“ sind auf der Inselfestung Wilhelmstein zu besichtigen.

© Steinhuder Meer Tourismus GmbH

Funkenturm

Text folgt!

© Hans F. Meier

Sagen & Mythen

Die sagenhafte Entstehung des Steinhuder Meeres

Wie das Steinhuder Meer entstanden ist, da streiten sich die Gelehrten. Wissenschaftler behaupten, es wäre in der letzten Eiszeit entstanden. Mehr zu diesen Theorie(n) erfahren Sie hier mit einem Klick!​​​​​​​

Allerdings setzt sich bei neueren Forschungen immer mehr folgende sagenhafte Theorie durch: Vor langer Zeit lebten Riesen und Zwerge in einem flachen sandigen Land. Eines Tages ging ein Riese aus seinem Dorf durch das Zwergengebiet und bekam Sand in seine Stiefel. Diesen entleerte er, woraus der Weiße Berg in Mardorf entstand. Als er sich den Stiefel wieder anzog, ärgerten ihn mehrere kleine Zwerge, die er mit einem kräftigen Auftreten seines Fußes verscheuchen wollte. Durch die Wucht des Auftritts entstand ein großer Fußabdruck. Der Riese verließ das Gebiet. Leider hatte er einen der kleinen Zwerge bei seinem Tritt tödlich verletzt. Die andere Zwerge waren darüber sehr traurig und weinten so stark, dass sie den Fußabdruck mit ihren Tränen füllten. So ist das Steinhuder wirklich entstanden!